Kunst-Geschichten

Rembrandt & „The Book of Sarah“

Was verbindet Rembrandt und feministische Graphic Novels? Im Folgenden stelle ich euch eine Künstlerin vor, die in ihrer Auseinandersetzung mit dem Alten Testament und den darin erzählten, jüdisch geprägten Geschichten immer wieder auch mit Rembrandt in Berührung kommt. Viele tolle Blätter seiner Radierungen, unter anderem auch aus diesem Themenfeld, seht ihr in der Sonderschau „Rembrandts graphische Welt“ ab dem 4. Oktober 2019 und in der großen Sonderausstellung „Inside Rembrandt 1606-1669“ ab dem 1. November bei uns im Wallraf.

Rembrandt van Rijn, Abraham bewirtet die drei Engel, 1656, Radierung, Wallraf-Richartz-Museum, Inv.-Nr. 1921/096, Foto: Dieter Bongartz

Im Januar besuchte ich einen Workshop zu gezeichneten Autobiographien. Dort stellte unter anderem Sarah Lightman ihr neues Buch vor. Und: Überraschenderweise ergaben sich Parallelen zwischen ihrer Präsentation und unserem Rembrandt-Projekt! Aber wer ist diese Sarah Lightman überhaupt? Lightman ist eine Künstlerin und Autorin, die ihre Zeichnungen 2018 als graphische Geschichte ihres Lebens mit dem Titel: “The Book of Sarah” veröffentliche. Sowohl in ihren künstlerischen als auch in ihren theoretischen Überlegungen waren Rembrandts Radierungen mit Szenen des Alten Testaments immer wieder ein großes Thema – vor allem mit Blick auf den jüdischen Glauben und auf die Rolle der Frau innerhalb der Gesellschaft. Eine seiner Radierungen empfand Lightman als besonders programmatisch für ihren ganz persönlichen Weg: „Abraham bewirtet die drei Engel“ von 1656. Unter anderem besitzt auch das Wallraf ein Blatt dieser Graphik. Zu sehen sind im Vordergrund den Stammvater Abraham mit drei männlichen Gästen, die sich im Laufe der Geschichte als Engel zu erkennen geben (Gen. 17-18). Rembrandt ließ sich für diese sitzenden Figuren von indischen Miniaturen inspirieren. Als zusätzliche Staffagefigur lehnt sich ein Knabe mit einem Bogen über die Brüstung hinter der Gruppe, bei dem es sich vermutlich um Ismael, Abrahams dreizehnjährigen Sohn mit Hagar, handelt. Im Hintergrund steht schließlich Abrahams Ehefrau Sara verschattet in der halb geöffneten Tür des Wohnhauses. Sie verfolgt das Geschehen aus der ihr zugedachten Entfernung.

Sarah Lightman, o.T., Zeichnung, Archiv der Künstlerin

Eine von Sarah Lightman mit Bleistift gezeichnete Version dieses Rembrandt-Motivs zeigt anstelle einer neugierigen, eine eher grimmig dreinschauende Sara – Namensvetterin und in diesem Fall Identifikationsfigur der Zeichnerin.  In ihrem Buch ergänzt sie das Motiv mit folgendem Zweizeiler: „Sarah, Sarah, come out of the shadows. / This is your life. This is your time.“ (dt.: Sarah, Sarah, komm aus dem Schatten hervor. / Es ist dein Leben. Es ist deine Zeit.“) Auch in ihrer Dissertation behandelt Lightman eben jenes Motiv als übergreifend gültiges Paradigma für viele Akteurinnen des Alten Testaments. In ihren Texten und Vorträgen ruft sie mit Bildern wie diesem Frauen jeglicher Herkunft und jeglichen Glaubens dazu auf, aus dem Dunklen herauszutreten, sichtbar zu werden, ihren Weg zu finden und diesen erhobenen Hauptes zu gehen.

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Die Künstlerin & „The Book of Sarah“

Sarah Lightman stammt aus einer sehr traditionellen jüdischen Familie. Als Mädchen und später als Frau musste sie häufig um ihren selbstbestimmten Platz in der Gesellschaft kämpfen, sich von einigen Traditionen befreien, um andere zu wahren – daraus resultieren Erfahrungen, die sie in Ihren Werken verarbeitet. Heute verbindet sie ihren Glauben erfolgreich mit einem ausgeprägten Feminismus. Lightman ist Künstlerin, Autorin und Kuratorin mit einer an der Universität in Glasgow eingereichten Promotion über „Dressing Eve and Other Reparative Acts in Women’s Autobiographical Comics“. Sie lebt und arbeitet aktuell in London. Ihre erste Graphic Novel ist ihre gezeichnete Lebensgeschichte – ihr Weg in ein freies, selbstbestimmtes Leben – mit dem Titel „The Book of Sarah“ (Myriad Editions 2019). Aber lassen wir sie kurz selbst zu Wort kommen: „My work includes painting narrative portraits, creating a graphic memoir, curating exhibitions on comics and diary drawings, and editing books and journals on Jewish women’s comics.“ Mehr zu ihr und ihrem Buch findet ihr hier!

Sarah Lightman mit ihrem neuen Buch „Book of Sarah“

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