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Rembrandt / Banksy / Rembrandt

Banksys „Schredderbild“ Love is in the Bin ist nun als Dauerleihgabe einer anonymen Sammlerin in der Staatsgalerie Stuttgart zu sehen. Was das mit Rembrandt zu tun hat? Einiges! Stilecht für einen Street-Art-Künstler wird Banksys Werk immer wieder an anderen Orten im Museum hängen und den Anfang als Wandnachbar macht Rembrandts sogenanntes Selbstbildnis mit roter Mütze aus dessen Werkstatt, das auch bald bei uns zu sehen sein wird: Der Künstler mit den vielen Identitäten trifft den Künstler mit geheimer Identität. Im Gegensatz zu Banksy, der sich selbst verbirgt, sind über 100 gezeichnete, radierte und gemalte Selbstporträts Rembrandts überliefert.

Rembrandt Werkstatt, Selbstbildnis mit roter Mütze, ca. 1660, Staatsgalerie Stuttgart und Banksy, Love is in the Bin, 2018, Privatsammlung in der Staatsgalerie Stuttgart, Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Der Startpunkt der Odyssee des Gemäldes innerhalb des Museums wird damit begründet, beide Künstler hätten aus sich eine Marke gemacht. Schon zu Lebzeiten waren Rembrandts Gemälde so begehrt, dass er sich Brüche mit der Tradition erlauben konnte und damit auch noch gut verdiente. Dass Bilder seiner Werkstattmitarbeiter mit dem Namen des Meisters signiert und damit aufgewertet wurden, war in der Kunstproduktion des Barock durchaus üblich – und ein weiteres Zeichen seines Erfolges. Auch das Stuttgarter Bild entstand in Rembrandts Werkstatt. Doch ob von Rembrandt persönlich gemalt oder nicht, es war und ist ein absoluter Publikumsliebling.

Dass nun eine Druckgrafik in ungewöhnlichem Rahmen neben Rembrandts Porträt hängt, dürfte ihm gefallen haben. Neben seinen großformatigeren Gemälden ist Rembrandt vor allem auch für seine ausdrucksstarken Radierungen bekannt. Aber darauf werde ich in einem späteren Beitrag zurückkommen.

Ausstellungsansicht mit Rembrandt Werkstatt, Selbstbildnis mit roter Mütze, ca. 1660, Staatsgalerie Stuttgart und Banksy, Love is in the Bin, 2018, Privatsammlung in der Staatsgalerie Stuttgart, Foto: Staatsgalerie Stuttgart

Der Titel seines Nachbarwerks (dt. „Die Liebe ist im Eimer“) hätte Rembrandt wohl weniger gefreut. Love is in the Bin ist ja auch nicht der fröhlichste Titel. Dennoch ist es zur Entstehungszeit des Gemäldes um 1660 weitgehend zutreffend. Zwar lebt er seit etwa 1649 mit Hendrickje Stoffels zusammen, doch dieses späte Glück kommt erst nach dem viel zu frühen Tod seiner Frau Saskia Uylenburgh und nach einer turbulenten Liebesbeziehung mit seiner Haushälterin Geertje Dircks. Geertje bringt Rembrandt wegen „Bruchs des Eheversprechens“ vor Gericht. Sie bekommt Recht und er wird zur Kasse gebeten. Zumindest diese Liebe endet definitiv im Eimer… Interessant? Ja! Mehr zum Thema Rembrandt und die Frauen erfahrt ihr am 11. Juli 2019 bei Christoph Driessens Vortrag hier im Wallraf-Museum.

In einigen Wochen wird das Banksy-Werk innerhalb des Museums weiterwandern und das Selbstporträt mit roter Mütze zurücklassen. Doch auch der Alte Meister geht dieses Jahr noch auf eine Reise an den Rijn (dt. „Rhein“) und kommt ab November zu uns ins Museum, wenn es heißt: Inside Rembrandt ·1606-1669.

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