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Interview mit der Kuratorin Anja K. Sevcik

Dr. Anja Kerstin Sevcik ist die federführende Kuratorin der Ausstellung Inside Rembrandt ·1606-1669 und Leiterin der Barockabteilung hier im Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud in Köln. Sie hatte die Idee, Rembrandts Schaffen und seine künstlerischen Ideen in Akte zu untergliedern – wie bei einem Bühnenstück. Gelungen, wie ich finde, denn wer hat sich nicht selbst auch schon wie in einer Tragödie oder Komödie gefühlt? Zudem konnte sie durch ihre Kontakte nach Prag die dortige Nationalgalerie als Kooperationspartner gewinnen. Einführend darf ich sie nun interviewen.

I.H.: Anja, erst einmal vielen Dank, dass du hier mitmachst. Ich weiß, dass du eigentlich nicht so gerne im Fokus stehst.

A.S.: Ich danke Dir für den Rembrandt-Blog – ein gutes Mittel, um den „alten Meister“ ins „Hier und Jetzt“ zu holen. Ein dankbares Gesprächsthema waren Rembrandt und seine Kunst ja auch schon für seine Zeitgenossen.

I.H.: Wieso Rembrandt? Was verbindet dich persönlich mit ihm?

A.S.: Unter anderem zwei Aha-Momente: Mein leichter Schock, den ich als angehende Studentin vor seinen frühesten Werken in Leiden erlebte. Sie wirkten auf mich, nun ja, er wird es mir hoffentlich verzeihen, sehr bunt und naiv. In der Schule war ich nur dem „dunklen“ späten Rembrandt begegnet. Umso größer dann aber meine Bewunderung, wie zielstrebig und ehrgeizig er sich binnen kürzester Zeit zu dem berühmten Meister mit Pinsel, Feder und Radiernadel entwickelte. Zweiter Moment: meine Begegnung mit seinem Prager Gelehrten von 1634, an dem ich dann täglich auf dem Weg in mein Büro in der Nationalgalerie in Prag vorbeikam. Ein großartiges Werk, das seit dem 18. Jahrhundert erst einmal Böhmen verlassen hat! Umso glücklicher bin ich, es jetzt in Köln zeigen zu dürfen. In ihm steckt der „ganze“ Rembrandt. Daher steht das Gemälde auch im Mittelpunkt der Ausstellung.

I.H.: Was unterscheidet Inside Rembrandt · 1606-1669 von den anderen Ausstellungen in diesem Jahr? Gerade 2019 ist ja doch ein relativ großes Jubiläums-Angebot vorhanden.

A.S.: Ja, mit der Ausrufung des Rembrandt-Jahrs zu seinem 350. Todestag in den Niederlanden sind so einige, doch v.a. niederländische Ausstellungsprojekte verknüpft. Das Projekt in Köln und Prag – der zweiten Station – sticht da heraus. Wir greifen rund um den Prager Gelehrten mit Rückblenden in die Leidener Jugendzeit und die Vorausschau in die Amsterdamer Zukunft wichtige Angelpunkte seiner Karriere heraus, auch im Spiegel von Werken seiner Schüler und Zeitgenossen. Und wir möchten unsere Besucher mit einigen weniger bekannten Gemälden, Zeichnungen und Graphiken überraschen. Immer mit der Frage: Was hat Rembrandt geprägt, woher nahm er seine Ideen, seinen Ehrgeiz? Was fasziniert uns an Rembrandt, was unterscheidet ihn von anderen Künstlern und hat ihn zu einer solchen Marke werden lassen? Im Idealfall sagen die Besucherinnen und Besucher am Ende: Diesen Rembrandt kannte ich noch gar nicht.

I.H.: Inside Rembrandt · 1606-1669 wird auch eine kinderfreundliche Ausstellung. Was wird speziell für die jüngeren Besucher*innen geboten werden?

A.S.: In der Tat, wir wollen unbedingt auch unsere jüngeren Gäste für Rembrandt begeistern. Erstmals wird es z.B. am Wallraf einen Audioguide speziell für Kinder geben, mit dem sie in der Ausstellung auf Entdeckungsreise gehen können. Und ein ganz besonderer Kindercomic entsteht: Rembrandt und der Frosch.

I.H.: Ein Frosch? Was hat es mit dem Frosch auf sich?

A.S.: Rembrandt hat ihn in eine wunderbare Nymphenlandschaft hineingemalt. Er lugt in einer Bildecke mit seinen Glubschaugen aus dem Wasser hervor und sprang mir wortwörtlich ins Auge. Die kostbare Leihgabe des Gemäldes aus der fürstlichen Sammlung zu Salm-Salm in der Wasserburg Anholt ist eines der Highlights in der Ausstellung. Und ein Beispiel für einen überraschend märchenhaften Rembrandt.

I.H.: Vielen lieben Dank, liebe Anja!

Anja K. Sevcik mit unserer REMBRANDTMANIA-Vitrine. Mehr zu unserer Aktion im Beitrag „REMBRANDTMANIA“

So, jetzt durftet ihr unsere Kuratorin Anja K. Sevcik auch einmal kennenlernen und aus erster Hand lesen, was hinter der Projektidee steht. Wenn ihr noch weitere Fragen an die Kuratorin habt, meldet euch gerne bei mir (iris.haist@wallraf.museum). Die Antworten findet ihr dann je nachdem in eurem Postfach oder in einem weiteren Blogbeitrag auf dieser Seite.

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